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Fernfahrt Wittlich-Santiago – TV Bericht

Bericht von Holger Teusch – Trierischer Volksfreund vom 27.07.2017

Glücklich haben acht Radsportler des RSC Stahlross Wittlich nach nur zwölf Tagen, an denen sie rund 2000 Kilometer zurücklegten, den spanischen Pilgerort Santiago de Compostela erreicht. Foto: privat Foto: Holger Teusch (teu)

(Wittlich/Santiago de Compostela) So schnell wie die routinierten Radsportler des Wittlicher Vereins legen Pilger wohl nur selten die 2000 Kilometer nach Santiago de Compostela zurück.

Wittlich/Santiago de Compostela /27.07.2017 –  Holger Teusch

Die Dame im Pilgerbüro der Kathedrale von Santiago de Compostela fühlte sich auf dem Arm genommen, erzählt Peter Ackermann. Das konnte doch nicht sein! Da legten ihr acht Männer in Radtrikots einen Pilgerausweis mit nur zwölf Einträgen vor und behaupten sie kämen aus der Nähe von Trier. 2000 Kilometer mit dem Rad in zwölf Tagen. „Imposible“, unmöglich! Normalerweise brauchen Radpilger von Deutschland aus rund einen Monat für die Pilgerreise. „Sie hat dann ihren Vorgesetzten geholt“, erzählt Ackermann – und nach einigem Hin und Her bekamen die Radfahrer des RSC Stahlross Wittlich auch den finalen Stempel in den Pass.

So unglaublich die Leistung für die spanischen Pilgerbüro-Mitarbeiter war, so problemlos spulten Peter Ackermann, Klaus Ballmann, Norbert Becker, Gerd Funk, Wladimir Gottfried, Jürgen Heck, Rolf Kröhner und Uwe Reitz, alles gestandene Radfahrer jenseits der 50 Jahre, die Strecke herunter. Die Idee war ein Jahr zuvor entstanden. „Da sind wir in fünf Tagen 1000 Kilometer zum Gardasee gerast“, erzählt Ackermann. Bei den Planungen für 2017 brachten Heck und Ballmann Santiago de Compostela ins Spiel.

Für alle aus der Gruppe wurde es eine sportliche Herausforderung. Einige machten sich auch aus religiösen Motiven auf den Weg. „Acht verschiedene Charaktere unter einen Hut zu bekommen, war schwer“, sagt Gerd Funk. Uwe Reitz fuhr gerne ohne Pause durch, um die Compostela-Tour als Training für den Inferno-Triathlon in der Schweiz zu nutzen. Die 2000 Kilometer wurden zum Mannschaftszeitfahren statt zur Wanderfahrt. Durchschnittsgeschwindigkeit: immer um die 30 km/h. Mancher aus der Gruppe hätte aber auch mal gerne an einem Café haltgemacht. Jemand, der den Hut aufhat und klare Ansagen macht, wäre manchmal nicht schlecht gewesen, meint Funk.
Aber der Vorsitzende des RSC Stahlross Wittlich, Herbert Henschel, konnte nach einem Radsturz im Winter nicht mitfahren. Mit dem 69-Jährigen, der auf der Tour zum Gardasee noch dabei gewesen war, fiel auch dessen Frau Petra aus. Sie wollte auf dem Weg nach Spanien eigentlich den Begleitbus fahren. Deshalb musste jeder Radfahrer auch an einem Tag Auto fahren. „Wir haben das vorher ausgelost“, erzählt Reitz.

Derjenige, der hinterm Lenkrad saß, besorgte morgens die Vorräte für den Tag und fuhr dann der Gruppe hinterher. „Irgendwann hat er die dann eingeholt – außer an einem Tag“, erzählt Gerd Funk. „Da ging es mehrmals durch Städte mit sehr viel Verkehr und da kamen die Radfahrer besser durch.“

Ein kompletter Ruhetag tat jedem gut. „Wir hatten Tagesetappen zwischen 95 und 214 Kilometer“, erklärt Funk (siehe Extra). „Wir sind nahe dem Weg des Camino über viele abgelegene Sträßchen gefahren. Was uns aufgefallen ist, waren die extremen Leerstände auf dem flachen Land in Frankreich. Die Landflucht ist da ganz extrem“, erzählt Ackermann. Auf solchen Etappen sei man auf das Begleitfahrzeug angewiesen gewesen. Denn Möglichkeiten Verpflegung zu kaufen, habe es unterwegs nur sehr selten gegeben.

Ohne Navigationsgerät am Fahrradlenker wäre man nicht in zwölf Tagen nach Spanien gekommen, sind sich alle einig. „In Frankreich hätten wir dann an jeder Kreuzung anhalten, die Karte rausnehmen und gucken müssen“, sagt Funk. Hinter Bourgos, gut 250 Kilometer vor dem Ziel in Santiago, trafen die Stahlross-Radfahrer immer öfter auf normale Pilger. „Die mussten dann in der prallen Sonne mit 15 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken neben der Straße gehen. Wir haben uns lange nicht so gequält“, zollt Ackermann den Wanderern Respekt.

Extra: WITTLICH-SANTIAGO DE COMPOSTELA

1.Etappe: Wittlich-Trier-Thionville, Étain (162 km) 2. Etappe: Étain nach Maizières-la-Grande-Paroisse (178 km im Dauerregen) 3. Etappe: Maizières-la-Grande nach Vierzon (214 km bei Nieselregen) 4. Etappe: Vierzon nach Lussac-les-Châteaux (155 km) 5. Etappe: Lussac-les-Châteaux nach Coutras bei Bordeaux (194 km) 6. Etappe: Coutras nach Vieux-Boucau-les-Bains (198 km bei bis zu 41 Grad) 7. Etappe: Vieux-Boucau-les-Bains nach Olazagutia (165 km mit 2050 Höhenmetern in den Pyrenäen) 8. Etappe: Olazagutia nach Bourgos (165 km) 9. Etappe: Bourgos nach Villacelama (163 km) 10. Etappe: Villacelama nach Ponferrada (115 km) 11. Etappe: Ponferrada nach Sarria (95 km) 12. Etappe: Sarria nach Santiago de Compostela (122 km)

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